Peru part I – die große Planänderung

„Lima lohnt nicht – da braucht Ihr nur zwischenlanden und könnt direkt weiter!“ haben viele Bekannte gesagt. Wir entscheiden uns dennoch, zumindest 2 Nächte und damit gut 1,5 Tage zu bleiben, um uns unser eigenes Bild zu machen. Und werden nicht enttäuscht. So landen wir gegen Abend ordentlich durchgeschüttelt nach Umfliegen des ein oder anderen Gewitters über dem Golf von Panama am Jorge Chavez International Airport. Wir haben uns für zwei Nächte im Alpes Lima Hostel ein privates Zimmer genommen, und das Hostel hat für uns einen Taxi-Transfer organisiert. Der kostet ca. 70 Soles, umgerechnet ca. 17,- EUR. Im Nachhinein stellt sich raus, dass man sich auch hier mit UBER ein klein wenig günstiger hätte bewegen können. Da das Internet am Airport aber nicht funktioniert war das dann auch nicht wirklich eine Option. Und trotz dass es ein System öffentlicher Busse gibt, ist dieses bei Unkenntnis der Haltestellen und zur Abendzeit dann doch eher mit Vorsicht zu genießen. Denn wie genau das läuft, werden wir am kommenden Tag noch erfahren 🙂

Wir übernachten im Stadtteil Miraflores, ein eher aufstrebendes Viertel voller Hotels, Hostels, Bars, Restaurants und Clubs. Da wir noch Hunger haben, ziehen wir noch einmal los, essen Pizza und schlafen dem Tag in Lima entgegen.

Frühstück im Hostel ist inklusive, und so machen wir uns frisch gestärkt auf den Weg zur Free Walking Tour „Lima by walking„, welche uns nach Downtown führt. Dazu müssen wir u.a. Bus fahren, und das wiederum geht nur, wenn man eine wieder aufladbare Karte hat, mit der man eincheckt. Wenn man die nicht hat, dann spricht man einfach einen einsteigenden Fahrgast an, gibt ihm 2,50 Soles pro Person für die Fahrt und er hält die Karte für uns dann zwei mal ans Drehkreuz – funktioniert erstaunlich gut, anscheinend kennt man das Spiel mit den Touristen 🙂 Limas Downtown an sich ist geprägt von kolonialem Stil und schönen Bauten, kleinen Restaurants und natürlich der Plaza de Armas, dem Hauptplatz, vor welchem direkt der Präsidentenpalast steht. Wir erleben die Wachablösung, ein einstündiges Ritual, welches jeden Tag um die Mittagszeit stattfindet, begleitet von der Militärkapelle, welche mit zeitgenössischer Musik von ABBA bis Despacito aufwartet. Anschließend geht es weiter, rund um Downtown, und am Ende steht eine Verköstigung von Pisco Sour und anderen kleinen lokalen Schnäpsen an, bevor wir uns dann am Nachmittag zurück auf den Weg ins Hostel machen.

Am Abend sitzen wir dann mit anderen Reisenden in der hauseigenen Bar, trinken noch etwas und philosophieren übers Reisen, hören spannende Geschichten von Menschen aus aller Welt und genießen die Zeit. Irgendwann wirds auch Zeit fürs Bett, denn am kommenden Mittag gegen 14:00 wollen wir nach Cusco – eine 22stündige Busfahrt mit Cruz del Sur in die Anden!

Doch zuvor besuchen wir morgens noch das Larcomar Einkaufszentrum, eine Mall, die quasi in die Klippen über Waikiki Beach an der Pazifikküste Limas gebaut wurde. Ziemlich beeindruckend und sehr schön gemacht, mit Blick über den Strand und die Küste. Wir trinken einen Kaffee, essen ein Stück Kuchen und machen uns dann langsam auf zum Busterminal.

Wir fahren in der Cruzero Suite. Überlandbusse in Südamerika und manchen anderen Staaten sind nicht unbedingt vergleichbar mit deutschen Standards. Es gibt breite Ledersessel, die sich um 160 Grad neigen lassen, Service an Bord und 2 Mahlzeiten. So lässt sich die Fahrt auch bei der Länge einigermaßen aushalten. Während Regina dann auch ganz gut Schlaf findet, hadert Chris ein wenig mit den tollkühnen Manövern des Busfahrers. Nachts im Dunkeln ganz vorn im Doppeldecker oben zu sitzen, heißt nämlich gleichermaßen in jeder engen Kurve dieses Andenpasses bereits über dem Abgrund zu schweben… Nichts desto trotz kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages wohlbehalten in Cusco an, machen uns auf den Weg zum Atawkama Hostel und relaxen den restlichen Tag, um uns ein wenig zu akklimatisieren.

Leider geschieht in genau dieser ersten Nacht das Unerwartete. Über Nacht entwickelt Chris einen sehr starken Husten, Schmerzen in der Brust und totale Schwäche. Am nächsten Morgen muss ein Arzt her, die Diagnose: akute Höhenkrankheit, Sauerstoffgehalt im Keller und Puls und Blutdruck ganz oben. Man wird ein wenig hektisch, mit Blaulicht gehts ins Krankenhaus, eine englischsprachige Reiseklinik, die sich genau auf solche Fälle spezialisiert hat. Nach einem Lungen-Röntgen ist man jedoch etwas ratlos. Es zeigen sich Ödeme, Flecken auf der Lunge und definitive Flüssigkeitsansammlungen. Ein Ultraschall sowie CT bringen schließlich Klarheit: anscheinend handelt es sich um eine bakteriell ausgelöste Lungenentzündung, die bereits schon länger im Körper ist, dann aber auf Grund der Höhe akut wurde. Und wir stellen fest, dass wir genau hier am besten aufgehoben sind. Die Versorgung geht blitzschnell, die Klinik ist hochprofessionell und unsere Auslands-Krankenversicherung scheint sich auszuzahlen. Ein Riesen-Dank geht demnach an das gesamte Team des O2 Medical Network hier in Cusco, das war wirklich einsame spitze! Dennoch, Chris muss 2 Nächte bleiben, erhält einen guten Mix aus Antibiotika und jede Menge anderen stabilisierenden Medikamenten, dafür aber auch ein Privatzimmer mit Zustellbett für Regina. Nach einer weiteren Behandlung in der Druckkammer darf Chris dann am dritten Tag aus der Klinik, es scheint noch mal alles glimpflich abgelaufen zu sein. Und mal wieder mit ein wenig Glück im Unglück: wäre die Situation irgendwo auf dem Inka-Trail während der Wanderung eingetreten, bestimmt auch nur noch halb so gut.

Aber genau der war damit natürlich auch gelaufen – oder eben genau nicht. Denn gebucht hatten wir einen Tourstart für den Morgen von Chris Entlassung. Und genau da gebührt der nächste größte Dank der Flexibilität und Fürsorge unseres Guides Edwar von Qosqo Expeditions, der für uns wirklich alles möglich gemacht hat! Nicht nur, dass er Chris im Krankenhaus besucht, sondern auch direkt die passenden Änderungen und Optionen auf Lager hat, um doch noch eine entsprechende Tour nach Machu Picchu machen zu können, ohne wenn und aber alles organisiert! Mit ein wenig Verspätung starten wir dann eine ganz privat geführte 4-Tages-Tour mit den archäologischen Stätten der Inka rund um Cusco, lernen über die geschichtlichen Hintergründe und die Entstehung der gigantischen Tempelanlagen.

Tag 2 und 3 verbringen wir im wunderschönen Urubamba Tal, dem heiligen Tal der Inka. Wir übernachten in der luxuriösen Casa Andina Lodge nahe der Stadt Ollantaytambo und besuchen nicht nur die Stätten der Inka, sondern z.B. auch die Salinen von Maras, eine Salzgewinnungsanlage mit über 7000 kleinen Pools, um Salz für das ganz Land zu gewinnen. Am letzten Tag fahren wir dann mit dem wunderschönen Vistadome-Express nach Aguas Caliantes, wo bereits under Guide Freddy auf uns wartet, um uns gut 2,5 Stunden durch Machu Picchu zu führen. Die Landschaft, die Anlage und auch das erhabene Gefühl zu sehen, was dort geschaffen wurde, ist atemberaubend, und Wanderung hin oder her, jede Sekunde ist es wert, dort zu sein. Nach einem weiteren Mittagessen in der Sanctuary Lodge verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg mit Zug und Bus zurück nach Cusco.

 

Wir bleiben noch 2 Nächte im Gaia House, bevor es für uns weiter geht nach Arequipa. Ja, Arequipa, denn nach Chris Lungenentzündung und dem Rat der Ärzte, nicht zwingend in neue Höhen vorzustoßen, haben wir auch entschieden, die Reisepläne ein wenig zu ändern. Wir streichen die ursprüngliche Idee, über La Paz und Rosario nach Buenos Aires zu fahren und machen uns lieber auf den Weg Richtung Süden, um für Chile und Patagonien fit zu sein. Ein wenig Wehmut schwingt mit, aber wir sind auch nicht unterwegs um durch Länder zu hetzen. Also freunden wir uns mit dem Gedanken an und vertagen zumindest Buenos Aires auf eine andere Reise 🙂

English Version

„Lima is not worth it – just do a stopover and continue straight away!” many of our friends said. We decide anyway to stay at least 2 nights and therefore a god 1.5 days to get our own picture – and won’t be disappointed. In the evening, after quite a turbulent flight around a few thunderstorms, we land at Chorge Chabez international airport. We booked a double room in the Alpes Lima hostel which also offered a taxi transfer from the airport. That is approx. 70 soles, round about 17 EUR. The aftermath shows that we might have gotten away cheaper with an UBER, but since the WiFi at the airport was not working, UBER wasn’t really an option. And even though there is a public transport system, this needs an understanding of the stops and is to be used with care, especially at night. How exactly this is going to work, we should find out the other day.

We’re staying in Miraflores, a nice and bubbly part of the city full of Hostels, Bars, Restaurants and Clubs. Since we’re still hungry, we just go out for a quick Pizza and off to bed early to be ready to explore the city the next morning.

Breakfast is included in our room rate, so we start the day with the free walking tour “Lima by Walking”, which leads us through downtown. To get there, we need to take the bus, and this actually only works if you have a rechargeable ticket which you need to check in at each station. If you don’t have it, just talk to someone entering the station, give him the 2,50 soles per person and ask him to get you through with his or her card. Works surprisingly well, apparently they know about the “tourists” in the city. Lima downtown as such is characterized by colonial style buildings, small restaurants and the “Plaza de Armas” the main square, with its presidential palace. We experience the changing of the guards, a one hour showcase taking place every day around mid-day, accompanied by the military music ensemble which plays music of ABBA and even Despacito. We finish the tour through downtown with a Pisco Sour tasting and other local shots before we head back to the hostel in the afternoon.

The evening we spend with other travellers in the hostel-owned bar, having good conversations over a couple of drinks, listen to exciting stories from people and simply enjoy the time. At some stage, it’s time for bed, because at 2pm the following day we need to board our bus to Cusco – a 22 hour trip with Cruz del Sur towards the Andes.

But before we leave, we’re going to visit the Larcomar Mall, built literally into the cliffs above Waikiki beach at Lima’s pacific coast. Really impressive and with some beautiful shops, with a view over the beach and the coastline. We’re having a coffee and a nice piece of cake, then head back to the hostel and to the bus terminal.

We’re traveling in the Cruzero Suite. Regional buses in South America and some other countries are not necessarily comparable with German standards. In a positive way. There are wide leather seats with a 160 degree recline and 2 meals and snacks on such a long ride. And while Regina is finding some sleep, Chris is actually struggling with the harsh manoeuvres of the bus drivers. At night in the dark, being seated in row one on the upper level, means you’re sitting in front of the wheels. And this means that in every narrow turn, you’re actually floating above the ground. Nevertheless, we arrive in Cusco safely around 1pm the following day, get on the way to our hostel and relax the rest of the day to acclimatize a bit.

Unfortunately, during the first night, the unexpected happened. Chris develops a strong cough, shortness of breath and chest pain. The next morning we need to call in a doctor, and the diagnosis is quick: severe altitude sickness, oxygen saturation down, heart rate and blood pressure rocketing. The doctor is getting a bit stressed, with an ambulance we rush to the hospital, am English speaking travellers clinic specialised on those cases. After the x-ray however, again a bit irritation. There’s an unclear liquid and some undefined spots on the lungs, so that only another ultrasound and CT will shed some light on what has happened. Apparently there has been a bacterial lung infection which has been in the body a bit longer, and couldn’t cope with the altitude. And we realize that we’re perfectly taken care of where we are. The treatment is super quick, everyone is highly professional and our travel insurance seems to pay off. A big THANK YOU goes out to the whole team of the O2 Medical Network in Cusco, this has been awesome! Chris needs to stay 2 nights though, receives a mixture of two antibiotics and some other stabilizing medication, is given a treatment in the compression chamber and has a private room including a bed and food for Regina too. On the third day, Chris is discharged and it seems we’re getting away lucky. It could have happened on the Inca Trail and not in the city of Cusco, that might have been a different thing.

But exactly the Inca trail was then not an option any more, since we booked the start of the hike for the morning of Chris’ hospital release. And here, the next big THANK YOU is for our tour operator and guide Edwar of Qosqo Expeditions, who made the impossible possible. Not only that he visited Chris in the hospital, thanks to his flexibility, we could change all plans and Edwar designed a whole new program for us, so that we could still do a tour and eventually see Machu Picchu. And with a little delay, we’re starting a privately guided 4-day tour by seeing the Inca archeological sites around Cusco, getting to know all historical backgrounds and insights of the inca history. Day 2 and 3 we spent in the beautiful sacred valley, where we stay in the Casa Andina lodge close to Ollantaytambo. During the days, we visit not only the Inca sites in the valley, but also the Salinas de Maras, a salt farm with more than 7000 pools producing salt for the country. And on the last day, we take the beautiful Vistadome Express to Aguas Calientes, where our guide Freddy is already waiting to show us around Machu Picchu for another 2.5 hours. The scenery and also the spirit of the site is absolutely breathtaking, and hiking or not, every second up there is worth it! We’re having another lunch in the Sanctuary Lodge before we head back on the train and bus to Cusco.

We spend 2 more nights here in the Gaia House before we’re heading off towards Arequipa. Indeed, Arequipa, because after Chris sickness and the advice not to spend more time in higher altitude, we’ve also decided to change our travel plans a bit. We skip the original idea to go on to La Paz, Rosario and Buenos Aires and decide to move towards Chile and Patagonia, to be fit for the hikes in the south. We’re a bit sad, however we’re not traveling to rush through countries. So we’re getting fine with being flexible and postpone at leas Buenos Aires to another time 🙂

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