Kambodscha – Herzlichkeit pur trotz schwerer Geschichte

Die Geschwindigkeit des Schnellbootes sollte auf ein wenig windige Abkühlung hoffen lassen. Falsch gedacht. Wir sitzen auf den recht unbequemen Holzbänken auf der Heck-Platform und fragen uns, wie die anderen Passagiere es DRINNEN im Boot aushalten. Jeder Schwenk des Kopfes raus in den Fahrtwind fühlt sich an, als hält uns jemand einen Fön ins Gesicht. Wir haben die Grenze nach Kambodscha über den Mekong passiert, mal etwas anderes und eigentlich sehr bequem. Es empfiehlt sich, die 30 USD passgenau dabei zu haben, denn die Umrechnung erfolgt dann doch eher willkürlich, wie wir bei anderen Reisenden beobachten. Wir sind dennoch relativ geschlaucht, als wir in Phnom Penh von Bord gehen. Auf Grund der Hitze verwerfen wir den anfänglichen Plan, die gut drei Kilometer zum Artist Guesthouse zu Fuß zu gehen, und gönnen uns ein Tuk Tuk. Das Guesthouse ist dafür echt gemütlich, recht zentral und hat ein kleines Restaurant, in dem es Bier gibt… erst mal entspannen heut. 

Doch der Hunger treibt uns wieder nach draußen, denn die Küche des Restaurant im Hotel öffnet erst abends. Nach knapp einer Woche nur asiatischem Essen mag Regina endlich etwas Abwechslung – irgendetwas westliches wäre toll. Tatsächlich finden wir unweit unseres Hotels einen echten Italiener aus Italien! Asiatische Kultur hin und her – manchmal muss es einfach Pizza sein 🙂 

Der kurze Weg zum Essen und zurück lässt unseren Schweiss nur so den Rücken runter laufen lassen und so verkriechen wir uns bis Sonnenuntergang wieder aufs klimatisierte Hotelzimmer. Aber nur so im Zimmer rumhängen ist auch langweilig. Also brechen wir auf zur „Partymeile“ der Stadt um die Ecke vom Hotel. Da es Nebensaison ist, sind die meisten Bars und Restaurants leer, trotzdem entscheiden wir uns dann für eine Bar um ein kühles Bier zu trinken. Während wir uns umblicken, fällt uns auf, wo wir eigentlich wirklich gelandet sind. Es sitzen hauptsächlich ältere, westliche Männer an den Tischen mit mehr oder weniger jungen, leichtbekleideten Damen. Daher werden wir als Pärchen erstmal auch seltsam angeschaut. Eins und eins zusammenzählend, spülen wir unser Bier runter und hauen wieder in Richtung Hotel ab. Das war wohl heute nichts mit geselligem Biertrinken…


Killing fields

Am kommenden Morgen treffen wir unseren Tuk Tuk Fahrer von Gestern, um zu den so genannten Killing Fields von Choeung Ek zu fahren, südlich von Phom Penh. Diese Killing Fields, von denen es in Kambodscha schätzungsweise 300 gibt, sind Stätten, an denen der Genozid durch die roten Khmer in den 70er Jahren seinen Höhepunkt fand. Viele dieser großen Flächen sind heute Gedenkstätten, so auch diese, wohl eine der bekanntesten in Kambodscha. Und hier wird mit dem Thema der Schreckensherrschaft und der Menschenverachtenden Tötungen wesentlich anders umgegangen, als wir den Eindruck in Vietnam hatten. Die Kambodschaner haben verziehen, sind wieder aufgestanden, aber sie leiden bis heute, tragen das Schicksal in diesen Gedenkstätten weiter. Allein hier in Choeung Ek wurden zwischen 1975 und 1979 etwa 17.000 Menschen exekutiert.

Choeung Ek

Und genau so wird es vor Ort auch vermittelt. Schonungslos sind die Berichte von Überlebenden und ehemaligen Beteiligten, die Gräber und offensichtlichen Martyrien, die sich dort abgespielt haben. Aber mindestens genauso groß ist die Hoffnung, dass alles gut wird. Das Propagieren von Frieden und des Bewusstseins, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf. Die Stätte ist mit Sicherheit nichts für schwache Nerven, dennoch lohnt ein Besuch. Nicht zuletzt um ein Verständnis dafür zu bekommen, wie auch die Kultur und Gesellschaft dieses Landes entwickelt wurde. Wir sind an diesem ersten Tag in Kambodscha bereits nachdenklich, und machen uns nach mehr als 3 Stunden in der Gedenkstätte auf den Weg zurück in die Stadt.


Zurück in Phnom Penh macht uns die Hitze schon wieder einigermaßen zu schaffen, wir verkriechen uns erst mal ins klimatisierte Zimmer, Chris widmet sich ganz diszipliniert den Fotos und Regina kümmert sich ums Tagebuch. Wir nehmen uns vor, heute noch zum königlichen Palast zu gehen, und zögern das dann genau so lange raus, bis es zu spät ist. Na ja, so ist das manchmal, wir sind auch nicht unterwegs, um Termine einzuhalten. Statt dessen fahren wir abends mit einem Tuk Tuk  noch mal in die Innenstadt, schauen uns den Wat Penh an, der Tempel welcher der Stadt Ihren Namen gab, und streifen anschließend zu Fuß über den Nachtmarkt zur Flusspromenade. Die ist im übrigen äußerst schön, buntes Treiben prägt die Meile, gesäumt von Restaurants und Bars. Und wer sich trotz abendlicher Hitze noch sportlich betätigen möchte, der kann das bei öffentlichen Gymnastikgruppen tun. Unser Spaziergang zieht sich bis zum Unabhängigkeits-Denkmal und zurück Richtung Unterkunft. Eine lange, aber sehr entspannte Tour, die wir mit Drinks abschließen – in der Rooftop-Bar des Okay Boutique Hotels, wie soll es anders sein?! Übrigens sehr zu empfehlen, sobald man den versteckten Eingang ins Hotel in einer Seitengasse gefunden hat. Definitiv ein kleines Juwel mitten in der Stadt.


Der königliche Palast

Da wir den Palast ja nun am Vortag nicht gesehen haben, machen wir uns dann eben heute Morgen auf den Weg dorthin. Unschlüssig über die Öffnungszeiten finden wir zunächst einmal den Eingang nicht. Dann erklärt uns ein geschäftstüchtiger TukTuk-Fahrer, der Palast habe heute geschlossen, aber wir könnten ja eine kostengünstige Rundfahrt mit Ihm machen. Das klingt uns zu dubios, und in der Tat finden wir wenig später den selbstverständlich geöffneten Palast. Und der ist wirklich beeindruckend.

Die erst um 1860 erbaute und als Königssitz geweihte Anlage umfasst mehrere Areale und Gebäude, von denen der Thronsaal und die Silberpagode wohl die beeindruckendsten sein dürften. Etwa die Häfte des kompletten Areals ist für die Öffentlichkeit zugänglich und auch ohne Führung gut in ca. 2 Stunden zu erkunden, inkl. einiger kleiner Museen zur Geschichte der kambodschanischen Monarchie. Die andere Hälfte umfasst die eigentliche Residenz des Königs, in welcher er auch heute noch wohnhaft ist. Dieser Teil lässt sich selbstverständlich nicht besuchen, zumindest nicht als Tourist.


Kampot

Am Nachmittag steigen wir in den Kleinbus, der uns nach Kampot bringt. Wir haben uns entschieden, in den Süden zu fahren und uns zumindest anzuschauen, „wo der Pfeffer wächst“ 🙂 Nachdem uns die Tips für die südlichen Inseln um Koh Rong nicht wirklich überzeugt haben – denn angeblich kann man dort wirklich nichts tun außer am Strand liegen – und der Transport dorthin sich auch mehr oder weniger umständlich gestaltet, lassen wir das mal sein.

Die Fahrt führt uns zum ersten mal vor Augen, dass Kambodscha auch bisher der größte Kulturschock unserer Reise ist. Die Infrastruktur des Landes ist immer noch geprägt von der Schreckensherrschaft der roten Khmer, vieles ist im Aufbau befindlich und durch Armut gezeichnet. Wir sehen zum ersten mal in unserem Leben die großen Fabriken der westlichen Bekleidungs- und Schuhindustrie, die wir bisher nur aus den Medien kannten. Mit ein wenig Entsetzen, aber auch Staunen, beobachten wir das Leben der Einheimischen entlang der meist nur einspurigen, nicht immer befestigten Hauptstraße außerhalb der Stadt.

Angekommen in Kampot, beziehen wir im „Kool Kampot“ eines der bisher schönsten Hostels. Geführt von einem australischen Aussteiger bietet es sogar eine eigene Rooftop Bar – genau das richtige für uns – und wir bekommen ein „Upgrade“ ins bessere Zimmer. Wie geil ist das denn bitte?! Außerdem spielt sich quasi vor der Haustür an diesem Wochenende ein lokales Festival ab – das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Nach dem Frühstück am zweiten Tag beschließen wir, uns zwei Roller zu leihen und auf den ca. 25km entfernten Bokor Mountain zu fahren. Der liegt im Bokor Nationalpark und ist über eine schier unendlich lange Bergstraße zu erreichen. Die Bokor Hill Station, die fast wie eine Geisterstadt anmutet, liegt immerhin auf knapp 1100m, und interessanterweise weht uns auf der Fahrt ein eisiger Nebel entgegen. Der macht die ohnehin sehr surreale Gegend noch einmal ein gutes Stück eigenartiger. Der Mitten auf dem Berg stehende, moderne und mutmaßlich nur von Chinesen besuchte Casino-Komplex scheint hier ebenso wenig hinzugehören wie die gut erhaltenen Ruinen einer katholischen Kirche. Daneben reihen sich die verlassenen Gebäude ehemaliger Hotels und begonnener Bauten, mit Graffiti versehen und geisterhaft zugewuchert. Angeblich soll es innerhalb des Schutzgebietes auch wilde Elefanten, Leoparden und Kappengibbons geben, aber außer einem Affen, jede Menge Schmetterlingen und Libellen sehen wir nichts Interessantes. Dafür verweilen am heutigen Sonntag fast überall große Familien zum Picknick. Und da sind wir natürlich etwas besonderes. Wo immer wir anhalten, kommen Kinder wie Erwachsene auf uns zu und sprechen uns an, teilweise mit gutem Englisch. Und gerade als wir ein paar Fotos in den verlassenen Gebäuden schießen, werden wir auch dort wieder überrascht, und erhalten glatt die Einladung zum Familienpicknick mit Spanferkel und lokalem Bier 🙂

Auf dem Weg zurück halten wir beim Popokvil Waterfall. Für den muss man zwar Eintritt bezahlen, aber ersten ist es nicht viel, und zweitens bekommt man dabei auch einen Getränkegutschein, den man am zugehörigen Lokal direkt einlösen kann. Chris kann mal in Ruhe die Drohne steigen lassen und Regina entspannt oberhalb des Pools an der Kante des Wasserfalls. Zurück in Kampot selbst findet sich wie immer jede Menge Streetfood und lokale Küche. Bevor wir ins Bett fallen, nehmen wir auf unserem Rooftop noch das ein oder andere Bierchen zu uns und arbeiten ein wenig am Blog.

La Plantation

In Kampot wächst ja bekanntlich der Pfeffer, das wollten wir dann in jedem Fall auch mit eigenen Augen sehen. Also machen wir uns am kommenden Tag mit dem Roller auf zur „La Plantation„, einer nachhaltigen Pefferfarm, gegründet von zwei Belgiern. Der Weg dorthin ist jedoch zunächst die erste Herausforderung. Nicht befestigt und von riesigen, teils wassergefüllten Schlaglöchern durchzogen trauen wir uns nicht recht, so viel Gas zu geben wie die Einheimischen. Dafür sind wir von der Tour auf der Farm in vollem Maße begeistert, und das nicht nur weil sie kostenfrei ist. Wir lernen eine Menge über die Geschichte des Pfeffers, wie er wächst, und warum es grüne, weiße, rote und schwarze Varianten gibt. Das zugehörige Tasting lässt uns ganz schön ins Schwitzen kommen – schon klar, das Zeug ist scharf 🙂 Außerdem dürfen wir helfen, Pfeffer zu Pflücken und zu sortieren, und haben in der recht kleinen Gruppe echt viel Spaß. Wir lassen es uns nicht nehmen, eines der ersten Mitbringsel für uns selbst zu kaufen: eine Packung roten Kampot-Pfeffer, bevor wir uns wieder auf den Roller schwingen.

Nach Hause nehmen wir dann nicht den direkten Weg, sondern fahren über Kep. Die Straße wird nicht wirklich besser, so dass wir bei unserer Ankunft aussehen, als hätten wir im Schlamm gespielt. In Kep erforscht Chris mit einiger Neugier den Fischmarkt direkt am Wasser. Regina bleibt ein wenig auf Abstand, ihre Nase – eher der Magen –  ist da ein wenig sensibel. Aber die Frische und Vielfalt dieses kleinen Marktes ist dennoch faszinierend, und einen Besuch sollte man einplanen, wenn man in der Gegend ist.


Der nächste Tag ist Reisetag. Wir haben uns entschieden, nach Kratie zu fahren, um die berühmten Irawadi Delfine zu sehen. Die sind eigentlich gar keine Delfine, sondern Wale, und mancherorts auch als „Flussschweine“ bekannt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zunächst nehmen wir den Bus zurück nach Phnom Penh – wir erinnern uns, das waren 6 Stunden Fahrt! – und steigen dann in einen schönen klimatisierten Bus nach Kratie. Soviel zur Vision. Dass wir dann in einen Kleinbus steigen, der bereits voll besetzt ist, und wir uns in die hinterste Ecke quetschen müssen, finden die Einheimischen besonders lustig. Wir können auch nicht anders, als uns mit Schmunzeln unserem Schicksal zu fügen.

Dies soll in den kommenden fünf Stunden daraus bestehen, unsere Gliedmaßen zu verbiegen und die recht laute Kambodschanische Musik im Ohr zu haben, denn genau neben diesem hängt der Lautsprecher. Als wir ankommen, regnet es aus Eimern. Wir laufen die 500m von der Haltestelle voll beladen und sind froh, dass es im Balcony Guesthouse ein Restaurant und vor allem günstiges Bier gibt. Genug für heute… 


Kampi und die Irawadi-Delfine

Einmal mehr mieten wir uns einen Roller und machen uns auf den Weg entlang des Mekong nach Norden. Eine genaue Beschreibung, wo genau denn die Delfine nun zu sehen sind, konnte uns keiner geben, außer dass es sich um den Ort Kampi handele. Der ist ca. 9km von Kratie entfernt. Aber wir fahren ja am Fluss entlang, das muss einem ja auffallen. Denken wir uns so naiv. Wir merken es, als wir laut Google Maps auch weitere 9km an Kampi vorbei gefahren sind. Außer den größeren Ortschaften scheinen sich die Orte entlang der einspurigen Straße immer weiter auseinander zu ziehen, so fehlt gänzlich ein Übergang. Und Ortsschilder? Ich bitte Euch, wir sind in Kambodscha 😀 

Wir wenden also mitten im Nirgendwo an einer Gabelung unter den amüsierten Blicken der Einheimischen. Wir werden nicht die einzigen sein, die sich hier verfahren. Auf dem Weg zurück machen wir zunächst mal Halt in Kampi, das finden wir dann. Hier gibt es die Kampi Rapids, eine Art Stromschnellen mitten auf dem Mekong. Nicht wirklich beeindruckend, um ganz ehrlich zu sein, aber anscheinend Attraktion genug, dass sich eine kleine „Marktsiedlung“ am Ufer gebildet hat, wo man allerlei Streetfood bekommt, bis hin zum frischen Fisch aus dem Fluss.

Wir bekommen zufällig mit, dass sich andere Reisende über die horrenden Preise des Delfin-Watching unterhalten, und fragen nach. Ganze 9USD für eine Stunde auf dem Fluß würden Sie niemals bezahlen, erfahren wir, das ist ja der pure Wahnsinn und die ultimative Abzocke. Wir verstehen am Rande dieser Geschichte bis heute nicht, ob man ein Land bereist, um dann auch noch mit Menschen zu verhandeln, die so unendlich viel weniger haben als wir Westeuropäer. Wir erkunden uns nach dem Ort und fahren hin. Allerdings ist auf Grund der Nebensaison absolut nichts los, also kaufen wir ein Ticket und werden zur Anlegestelle geschickt. Wir können uns immer noch nicht vorstellen, dass wir hier irgendeine Art Lebewesen sehen, aber immerhin sind ein paar Kanuten auf dem Fluß unterwegs. Unser Kapitän hat seine liebe Mühe, den alten Motor anzuschmeißen, und wir fahren gespannt auf den Fluß raus.

Und siehe da, es dauert nicht lang, da tauchen die ersten kleinen Atemfontänen direkt vor dem Boot auf. Immer wieder fahren wir ein Stück den Fluß hoch, dann machen wir den Motor aus und lassen uns treiben. Und immer wieder erscheinen Rücken und Schwanzflossen überall um uns herum, werden Fontänen aus dem Wasser gepustet. Dafür, dass es laut aktuellen Zahlen nur noch ca. 80 Exemplare im Mekong gibt, sind wir vollends begeistert, es gibt sie wirklich. Wir genießen die Stunde auf dem Wasser, in der wir mal nichts tun und nur auf Delfine warten, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Kratie machen. Immerhin sind wir nur für sie hierher gefahren, dafür hat es sich wirklich gelohnt.

Zurück im Hostel und nach einem Mittagessen führt Chris noch ein weiteres Telefonat mit der Heimat – so langsam müssen wir ja wieder ans arbeiten denken – und Regina setzt sich an die Planung für die weitere Reiseroute. Uns fällt auf, dass wir eigentlich eine Nacht zu viel hier gebucht haben. Zwei Nächte hätten völlig gereicht, aber stornieren können wir nicht mehr und so beschließen wir, am kommenden Tag mal eine reinen „Arbeitstag“ einzulegen. Am Ende haben wir es wirklich geschafft, eine Route mit Unterkünften und Transporten bis zum Ende der Reise festzulegen und zu buchen, und zwei Blogartikel geschrieben. Wir sind genauso happy wie Pheak, der Besitzer des Balcony, mit dem wir lange beisammen sitzen und über sein Guesthouse, lokales Business und Finanzierungsstrategien beraten. Irgendwie auch surreal, aber sehr liebevoll und herzlich. Immerhin können wir jetzt die letzten vier Wochen ohne Buchungsstress genießen.

Mekong sunset

Siem Reap

Am nächsten Tag geht es von Kratie aus weiter nach Siem Reap. Wieder mit einem Minibus, dismal aber der „VIP-Variante“. Also was man hier so VIP nennt, doch immerhin ein wenig großzügiger als der Transport hierher. Dafür nicht weniger abenteuerlich, müssen wir doch auf einer Fähre den Mekong kreuzen, auf der sich neben Lastwagen, Autos, Menschen und Rollern auch jede Menge Rinder, Schafe und andere Tiere befinden. Das ganze Schiff wirkt eher weniger seetauglich, so sind wir dann froh, am anderen Ende angelangt zu sein. Nach insgesamt sechs Stunden Fahrt kommen wir etwas nach Mittag im Cashew Nut Guesthouse an.

Siem Reap ist Ausgangspunkt für die Sehenswürdigkeit, die wohl am häufigsten im Zusammenhang mit Kambodscha zitiert wird: Angkor Wat. Oder besser gesagt, der Angkor Archäologische Park. Wir werden drei Tage hier verbringen, um uns die Tempelanlagen anzusehen, denen wir später einen eigenen Bericht widmen werden.

Angkor sunrise

Doch heute lassen wir es zunächst mal ruhig angehen, schlendern etwas durch die Stadt, über den Markt und in ein Café. Den Abend essen und verbringen wir im Hostel, denn wir haben uns hier auch unseren Fahrer für die kommenden 2 Tage gebucht, und morgen wollen wir zum Sonnenaufgang schon vor Ort sein. Also früh schlafen gehen… SEHR früh.

Da wir am ersten Tag so früh auf den Beinen waren, sind wir bereits gegen 14:00 zurück in der Stadt. Wir gönnen uns im „Missing Socks Laundry Café“ einen guten Kaffee, leckere Waffeln und eine Wäsche, während dann draußen das ultimative Gewitter niedergeht. Die Straße ist – wie immer wenn so etwas passiert – heillos überflutet, und Regina muss barfuss durch die Pfützen laufen – das hat sie am liebsten 🙂

Tag zwei und drei in Siem Reap sind wir wieder unterwegs in den Tempelanlagen, zunächst mit unserem TukTuk-Fahrer und dann mit Chris von Angkor Travel Photography, der uns durch die nicht ganz so bekannten Tempel geführt hat und dazu noch Tipps vom Profi-Fotografen gibt. Definitiv ein tolles Erlebnis.

Die komplette Story aus drei Tagen Angkor haben wir demnächst noch einmal separat für Euch zusammengefasst.


Battambang

Am nächsten Tag geht es weiter nach Battambang, wir bewegen uns also langsam in Richtung thailändischer Grenze. Was zunächst als Minibus angedacht war, entpuppt sich dann doch als Reisebus, der zum Glück nur halb voll ist. So haben wir genug Platz auf der 5stündigen Fahrt. In Battambang angekommen, überschlagen sich die TukTuk Fahrer am Busbahnhof fast, um die wenigen Reisenden abzugreifen, die mit uns aus dem Bus steigen. Wir suchen uns einen Fahrer nach Sympathie aus, und liegen richtig. Für nur einen Dollar fahren wir zum Here Be Dragons Hostel, wo wir zum ersten mal auf dieser Reise nicht direkt einchecken können. Wir hängen eine ganze Weile in den Korbstühlen ab und schreiben ein wenig am Blog, bevor wir in unser Zimmer können. Wir raffen uns noch einmal auf, drehen eine Runde durch die Stadt und verbringen den Rest des Tages und abends mit Nichtstun. Das tut auch mal gut.

Bamboo Train und Bat-Caves

Wir haben mit unserem Fahrer für den nächsten Tag eine Rundtour vereinbart, also werden wir um ein Uhr mittags von ihm abgeholt und fahren erst mal zum Bamboo Train. Die in der lokalen Sprache Norry genannten Züge sind eigentlich eine Art Draisine. Eine klapprige Holzkonstruktion auf zwei Achsen, angetrieben über einen Riemen von einem kleinen Rasenmähermotor. Was heute mehr oder weniger eine Touristenattraktion ist, war seit der vorläufigen Einstellung der Eisenbahn in Kambodscha wichtiges Verkehrs- und Transportmittel für viele Einheimische. Für uns heißt es Platz nehmen und dann geht es mit rasant wirkenden 40km/h einmal die Schienen entlang bis zu einem kleinen Pausen-Café. Wahnsinn, wir haben einen Riesen-Spaß dabei, ein verrücktes Erlebnis, das man nicht auslassen sollte.

Weiter gehts für uns zum Phnom Sampov, einem Hügel, ca. 15km von Battambang entfernt. Die Stätte bietet gleich mehrere Sehenswürdigkeiten. Zum einen einen Tempel auf dem Gipfel des Berges von dem aus man einen wunderschönen Blick über die komplette Ebene hat, aber auch eine Höhle, die als Killing Cave traurige Berühmtheit erlangt hat. Auch hier haben die roten Khmer zahllose Menschen hingerichtet und Ihre Körper in eine Felsenhöhle geworfen. Heute ist dieser Ort eine etwas eigenartige Stätte, nicht wirklich gepflegt oder bekannt, wandert man allein in die Höhle hinab, die dann schon sehr gruselig wirkt. Am späten Nachmittag kommen wir vom Berg herunter, den wir ja zu Fuß erklommen haben, und warten auf das eigentliche Spektakel des Tages: den Ausflug der Fledermäuse. Am Fuß des Berges befinden sich kleine Verkaufsstände mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, und wir nehmen Platz, schauen gebannt auf die Spalte im Fels mitten im Berg über uns. Es dauert eine Weile, und zwar genau bis die Sonne untergegangen ist. Wir haben noch nie so eine Masse an Fledermäusen gesehen, die nun in einem schier endlosen Strom aus der Höhle flattern, scharf links und raus aufs Feld. Wir erfahren, dass es um die 10 Millionen Tiere sind, die jeden Abend in einer nicht enden wollenden Formation die Höhle verlassen auf der Suche nach Nahrung. Ganze 40 Minuten dauert das Spektakel, und wir können uns nur schwer lösen von diesem faszinierenden Anblick.

Zurück im Hostel gibt es Abends noch ein Trivia. Wir spielen gemeinsam mit weiteren Reisenden, die wir kennen gelernt haben, trinken noch ein paar Bier und bereiten uns mal wieder auf die Weiterreise vor. Denn das war es auch schon in Kambodscha, morgen geht es weiter nach Thailand.

Da es keine offizielle Busverbindung zu geben scheint, die uns über den Grenzübergang Poi Pet bis nach Bangkok bringt, haben wir eine Art Sammeltaxi bis zur Grenze gebucht. Der Fahrer möchte anscheinend so viele Menschen wie möglich mitnehmen, so dass wir zeitweise zu viert hinten sitzen. Inklusive einer sich öffnenden Durian im Kofferraum. Der Gestank ist unbeschreiblich. Als sich kein weiterer Mitfahrer findet, darf dann trotzdem einer nach vorn und wir haben wieder einigermaßen Platz. Am Kreisel vor der Grenze werden wir raus gelassen. Jetzt müssen wir uns durchschlagen. Den Ausreisestempel aus Kambodscha erhalten wir recht schnell, dann gibts nur noch einen Weg aus dem Gebäude raus. Wir stehen vor einem Schild: „Go to Thailand – 200m“. Na dann, nächstes Land, zu Fuß über die Grenze.

Bye bye Cambodia – welcome Thailand

Und eine Sache bleibt uns in Gedanken, als wir in sengender Hitze über diesen kleinen Streifen „Niemandsland“ laufen: Kambodscha hat uns irgendwie gezeigt, wie Zufriedenheit aussieht. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen ist uns hier ganz besonders aufgefallen. Geprägt von einer Geschichte mit schier unbegreiflichen Taten scheinen sich alle bewusst zu sein, dass Hilfsbereitschaft und Aufopferung stärker sind als Hass und Missgunst. Die Menschen scheinen glücklich, auch mit dem Wenigen das sie haben. Und selbst davon geben Sie noch gern ab. Das Land war der bisher größte Kulturschock auf unserer Reise, aber durchaus im positiven Sinne!

  1. Euer Text über Kambodscha ist toll! Ich bin vor 6 Jahren auch mit dem Boot über die Grenze gefahren und hatte so wie ihr ebenfalls einen Kulturschock aber auch sehr viele positive Eindrücke. LEider hatte ich dann nur Zeit für Phnom Penh und Siem Reap, habe mir aber fest vorgenommen, eines Tage noch einmal zurückzukehren. Heute bin ich es in Gedanken jedenfalls schon mal dank eures Beitrages, vielen Dank dafür 🙂

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