Der Rosengarten – eine 3-Tages-Hüttenwanderung

Quick-Info: die Streckenübersicht 

  • Allgemeines zum Gebiet Schlern-Rosengarten 
  • Als Teil des Dolomiten UNESCO Weltkulturerbes ist der Naturpark Schlern-Rosengarten der älteste Nationalpark Südtirols und umfasst ein Gebiet von ca. 7.300 ha. Gegründet wurde der Naturpark in 1974 und umfasste damals nur die Gemeindegebiete Seis und Völs am Schlern. Im Jahr 2003 wurde das Gebiet um Tiers am Rosengarten und das Tschamintal erweitert. 

Vorbereitung: 

Da wir bereits in Kanada und auf der Weltreise die Freude an mehrtätigen Wanderungen gefunden haben, wollen wir das auch hier zu Hause probieren. Also planen wir eine 3-Tages-Wanderung mit zwei Hüttenübernachtungen in den Dolomiten. Vor unsere Abreise wollen wir sicher sein, dass wir zumindest für die Nächte in den Bergen eine Unterkunft haben. Das ist nicht immer ganz einfach, denn nicht alle Hütten lassen sich online buchen, und man muss entweder eine Mail schreiben oder anrufen. Die Bestätigung für die 2. geplante Nacht im Schlernhaus bekommen wir recht schnell. Von der Grasleitenhütte erhalten wir aber zunächst keine Reaktion auf unsere E-Mail und auch unsere Anrufe nimmt niemand entgegen. Wir planen schon alternative Routen, doch am Sonntag vor der Tour in der Früh haben wir Glück: Das Telefon wird abgehoben und wir erhalten eine Übernachtungsbestätigung auf der Grasleitenhütte für die erste Nacht. Jetzt steht unserer Wanderung gar nichts mehr im Wege.

Durch das schöne Tschamintal 

Startpunkt unserer Tour ist der Wanderparkplatz in Weißlahnbad, ca. 50km südlich von Brixen, und auf der gegenüberliegenden Seite der Seiser Alm. Wir entscheiden uns dafür, nicht am Vorabend anzureisen, weil a) Regina sowieso erst spät vom Kundeneinsatz zu Hause ist und b) wir “nur” vier Stunden bis zum Startpunkt Anreisen müssen. Eine Anreise am ersten Tag der Wanderung mit ihren recht kurzen 7km scheint uns machbar. Wer es etwas entspannter angehen will, reist entweder bereits am Vorabend nach Weißlahnbad und übernachtet vor Ort in einer der (zumindest von außen) schönen Pensionen oder gar in Bozen und kann von dort einen der Überlandbusse nehmen, die Bozen mit dem Schlern-Rosengarten verbinden. 

Das Wetter meint es einmal wieder gut mit uns und so starten wir die Tour bei strahlendem Sonnenschein gegen elf Uhr in der Früh mit unerwartet vielen anderen Wanderern. Es stellt sich jedoch heraus, dass alle zu verschiedenen anderen Hütten und auch auf diversen Wegen wandern. Unser heutiges Ziel ist die Grasleitenhütte auf 2.165 Höhenmetern. Unser Weg führt uns zunächst mit leichter Steigung durch das Tschamintal (Wegmarkierung Nr. 3 Richtung Grasleitenhütte), entlang des Tschaminbachs, der jedoch fast ausgetrocknet ist. Wir sind fasziniert von der Landschaft, die sich uns insbesondere am Leger bietet: Eine weit ausgebreitete Lichtung umgeben von den riesigen Bergmassiven des Rosengartens.  Wir folgen zunächst weiter Talein dem Versorgungsweg, der irgendwann bei der Materialbahn der Grasleitenhütte endet. Wir biegen jedoch vorher ab, zunächst der Wegbeschilderung Bärenloch folgend.  

Ab hier geht es aber etwas steiler und dadurch etwas beschwerlicher hinauf. Auf der anderen Seite des “Tales” können wir immer wieder andere Wanderer erkennen, die bereits deutlich mehr Höhenmeter zurückgelegt haben. Und wir wissen: da wollen bzw. müssen wir auch noch hinauf. So bequem und super unser Material – insbesondere Schuhe und Rucksäcke – auch ist: je steiler es hinaufgeht desto mehr spüren wir auch das Gewicht auf dem Rücken. Und da ist der Neid groß, wenn wir andere Wanderer sehen, die doch schon näher am Ziel sind. 😉 

Am Fuß des Grasleiten, dem sogenannte “Bärenloch” gabelt sich der Weg: Links geht es zur Tierser Alpl Hütte, rechts zur Grasleitenhütte. Wir folgen der Beschilderung 3a nach rechts zur Grasleitenhütte. Wir gehen nun in Richtung der Geländeschulter und gewinnen schnell an Höhenmetern, was sich dann doch an den häufigeren Mini-Pausen bemerkbar macht. Ist die Geländeschulter passiert, kann man sich kaum noch an dem wunderschönen Panorama satt sehen. Über weite Grashänge geht der Blick zu den Spitzen des Grasleiten und dem Valbon Kogel. Wir werden zudem noch freundlich meckernd von einer Schar Ziegen in Empfang genommen. Wo kann man eine schönere kurze Rast vor dem Etappenziel einlegen? Denn am Fuß der Grasleitenspitzen ist auch schon die Hütte erkennbar.

Eine weitere halbe Stunde später sind wir auch schon an der Grasleitenhütte. Nach einer kleinen Stärkung mit unseren mitgebrachten Speisen und Getränken vom Wirt, melden wir uns für die Übernachtung in der Hütte an. Die Übernachtung ist verbunden mit einer Halbpension: Es gibt abends ein 3-Gänge-Menü, wobei man zwischen einem Fleischgericht und einem vegetarischen Gericht entscheiden kann, und am folgenden Morgen ein Frühstück. 

Bis zum Abendessen haben wir aber noch reichlich Zeit und entspannen uns in den Hängematten außerhalb der Hütte, als es jedoch kälter wird in unserem bescheidenen Zimmer.  Pünktlich um 19 Uhr wird das Abendessen aufgetischt – wir teilen uns den Tisch mit 4 Mädels aus dem Ruhrgebiet, die uns von ihrer bereits 4-tägigen Wanderung im Naturpark Schlern-Rosengarten begeistert berichten. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, ist mehr als reichlich und auch die Unterhaltung mit den Mädels sehr kurzweilig. Der Abend verfliegt wie im Flug und um 22 Uhr liegen wir erledigt in unseren Betten. 

  • Alternative Hütte: Solltet ihr weniger Glück haben als wir und keine Übernachtungsmöglichkeit in der Grasleitenhütte bekommen, so könnt ihr zur Grasleitenpasshütte weitergehen: http://www.grasleitenpasshuette.com
    Der Aufstieg dorthin nach der Grasleitenhütte ist jedoch nicht zu unterschätzen. Für dieses Unterfangen müsste man evtl. doch früher los gehen. 

Zugige Pässe und Kuh-Muh-Weiden 

Sechs Uhr morgens – Der Wecker klingelt. Genauso stellen wir uns ein entspanntes verlängertes Wochenende vor. Aber Ausschlafen auf dem Berg ist für uns ein Unding. Und heute sieht man schon, wie sich der Nebel verzieht und die Sonne langsam hinter den Bergen aufgeht.

Schnell frischmachen, Rucksäcke wieder einpacken, frühstücken und dann geht auch schon in die Wanderschuhe. Hinter der Grasleitenhütte geht es hinein in den Grasleitenkessel, der von fast senkrechten Wänden umstellt ist. 

Rechts geht es Richtung Grasleitenpasshütte, wir folgen aber auch heute weiterhin der Wegmarkierung 3a. Es geht hinauf zum Molignon-Pass. Noch ist es ziemlich frisch draußen, aber wir wissen, dass es gleich anstrengender wird und wir schwitzen werden, daher sind wir unschlüssig wie viele Schichten Bekleidung wir anziehen sollen. Wir bleiben gefühlt alle 200m stehen und ziehen etwas aus oder wieder an – irgendwie ist heut früh der Wurm drin. Irgendwann haben wir auch das optimale Verhältnis aus diversen Bekleidungsschichten gefunden und steigen nur noch auf. Es wird steiler und steiler – der Blick zurück dafür umso geiler. 

Auf der anderen Seite des Kessels, können wir den Weg 11A sehen, der von der Grasleitenpasshütte den kürzesten Weg zum Molignon-Pass bildet. Mit dem Wander-Paar, das wir auf diesem Weg sehen können, führen wir ein heimliches Rennen. Unser Gegenüber weiß natürlich nichts von diesem Rennen und doch verlieren wir es. Naja, der Weg ist das Ziel und uns geht auch nicht wirklich darum, die Wanderung so schnell wie möglich zu beenden, sondern die Zeit in der Natur zu genießen. 

Den sehr zugigen Molignon-Pass erreichen auch wir und was sollen wir sagen: Der Weitblick ist GRANDIOS! Wenn es nicht so windig wäre, würden wir uns sehr viel länger hier aufhalten (wir haben natürlich wieder alle Bekleidungsschichten, die wir dabeihaben, angezogen) und uns mit einem kanadischen Pärchen, das uns entgegenkommt, unterhalten.  

Auch hier oben auf dem Berg zeigt es sich wieder, wie klein die Welt doch ist. Das uns entgegenkommende Pärchen hatte Rucksäcke mit dem Aufdruck Mountain Equipment Co-op. Ist doch klar, dass wir sie dann nach unserer Erfahrung bei MEC ansprechen. 

Vom Molignon-Pass geht es steil bergab zum Tierser Alpl Schutzhaus. An teilweise sehr ausgesetzten Passagen gibt es immer wieder Drahtseil-Sicherungen, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind definitiv erforderlich. Beim Abstieg bleiben wir aber auch immer wieder stehen, um diese krasse Dolomiten-Szenerie in uns aufzusaugen. Der spektakuläre Rundumblick mit seiner Weite und der Fernsicht verschafft uns ein Gefühl der Freiheit. Es ist, als ob man erst hier oben in den Bergen wieder Luft zum Atmen bekommt. Und unsere Zwischenstation für heute Mittag liegt eindrucksvoll vor der Rosszähne Gipfelreihe. 

Nach einer kurzen Stärkung mit Kaffee und Limo im Tierser Alpl Schutzhaus geht es in die entspannte Wanderpassage des zweiten Tages. Parallel zu den Rosszähnen geht es der Markierung 4 folgend weiter. Zunächst leicht bergab und easy, doch nach etwa 30 Minuten, doch sehr knackig, steil bergauf. Ist diese Passage überwunden, geht es mit leichten An- und Abstiegen über die Schlern Hochfläche. 

Wer Lust auf einen Klettersteig hat, der geht von der Tierser Alpl Schutzhütte über den Maximilansteig zum Schlernhaus. Der Klettersteigatlas Alpen beschreibt die Tour als Bergtour auf alpinen, stellenweise ausgesetzten Steigen und Pfaden, teilweise auch weglos mit mäßig schwierigem Klettersteig (KS3-C). Wir wollten keine Klettersteigausrüstung mittragen und haben uns daher gegen den Steig entschieden. 

Im Schlernhaus ist zur Mittagszeit die Hölle los. Da man von Seis aus die Hütte mit Seilbahn und auf asphaltierten Wegen erreichen kann, ist das Schlernhaus entsprechend stark frequentiert. Wir versuchen irgendwo einen Sitzplatz für unser Mittagessen zu ergattern und quetschen uns zu fremden Menschen an den Tisch. Wir gönnen uns jetzt mal einen Brotzeit-Teller, bevor wir versuchen einzuchecken. Das erweist sich bei der Menschenmasse, die bedient werden will, als gar nicht so einfach. 

Irgendwann haben wir aber einen Schlüssel für ein Zimmer und zwei Duschmarken. Der Blick auf die Uhr nach der erfrischenden Dusche sagt aber, dass es noch früh am Tag ist. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir also nochmal los – ohne Gepäck und Proviant – zum Monte Petz.  

Auf dem Abstieg nutzen wir die Sonne und die trockenen Almwiesen um uns drauf hinzulegen und auszuruhen. Und weil wir es uns gut gehen lassen wollen, kommt noch eine Nachmittags-Snack oben drauf!

Im Gegensatz zur Grasleitenhütte ist das Abendessen bei einer Übernachtung im Schlernhaus nicht inbegriffen. Stattdessen gibt es ein kleineres A la Carte Menü. Und wie es der Zufall so will, ist das Wander-Pärchen aus unserm heimlichen Rennen durch den Molignon-Pass auch im Schlernhaus. Wir setzen uns zu den beiden an den Tisch und haben nach kurzen Anlaufschwierigkeiten einen unterhaltsamen Abend. Aber auch hier wieder: Die Welt ist klein. Unser Tischnachbar hat tatsächlich mal in der Straße gewohnt, in der wir jetzt wohnen. Crazy shit!

Wir hatten vor der Wanderung gelesen, dass der Sonnenuntergang am Schlernhaus spektakulär sein soll. Das wollen wir uns an diesem Tag auch nicht entgehen lassen. Und dabei schaut man gar nicht in Richtung der untergehenden Sonne, sondern Richtung Südosten zur Rosengarten-Gruppe. Denn der Sonnenuntergang bewirkt eine Verfärbung des Gesteins der Rosengarten-Gruppe ins rötliche – woher sie wohl auch ihren Namen hat. Ein unglaubliches Naturschauspiel und wir sind schon fast traurig, wie schnell die Sonne untergeht.

Gute Nacht! 

Bärenfalle 

Der Wecker für den heutigen Tag ist auf 4 Uhr gestellt. Doch beim Blick aus dem Fenster um diese Uhrzeit lässt uns wieder ins Bett kriechen. Eine Mini-Tour zum Monte Petz zum Sonnenaufgang ist bei dem Regenwetter wenig sinnvoll. Da bleiben wir doch lieber noch 2 Stündchen liegen. 

Nach einem einfachen Frühstück geht es für uns zurück zu unserem Auto. Immer der Markierung 2 folgend erst Richtung Tschafatsch und dann hinein in die Bärenfalle. Dass hier noch Bären leben, ist höchst unwahrscheinlich. Der wichtige Teil des Weges „Bärenfalle“ ist auch die „Falle“. Es geht in Serpentinen, über kleine Brücken unglaublich steil bergab. Von 2070 hm runter auf 1184 hm auf einer Strecke von 3,8km – das macht ein durchschnittliches Gefälle von 23%. Unsere Knie freut das gar nicht. Der Weg ist dadurch aber auch entsprechend kurz, und so sind wir auch an diesem Tag gar nicht so lange unterwegs. 

Am Wanderparkplatz kommen wir bereits gegen 11 Uhr an und direkt nach Hause fahren wollen wir nicht. Das Wetter ist zu schön und irgendwie wollen wir das Urlaubsgefühl noch etwas aufbewahren. Außerdem ist es erst Samstag, das Wochenende also noch jung. Wir entscheiden uns, zunächst nach Bozen zu fahren und uns die Stadt anzuschauen, bevor wir uns in ein schönes Hotel mit Wellness-Bereich im Zillertal begeben, quasi auf dem Rückweg nach Hause. 

Fazit

Wer auf grandioses Alpenpanorama steht und sich eine Wanderung mittlerer Schwierigkeit zutraut, der kommt um die Dolomiten nicht herum. Selbst dieser kleine atemberaubende Ausschnitt hat uns mal wieder gezeigt, wie sehr wir die Berge lieben. Auf den Hütten ist für alles gesorgt und wer es lieber etwas individuell mag, der bekommt auch hier ein Doppelzimmer und muss nicht ins Lager. Für ein verlängertes Wochenende ist diese Tour ausnahmslos zu empfehlen. 

In Zeiten der Corona-Situation zeichnet sich natürlich auch hier ein anderes Bild. In 2020 waren wir im Spätsommer auf der Franz-Senn-Hütte in den Stubaier Alpen, die mit einem sehr guten Hygienekonzept auch entsprechend belegt werden konnte. Daher gilt für alle Hüttenwanderungen momentan eine gute Planung als A&O, um hier auch frühzeitig Plätze zu reservieren. Viele Infos dazu gibt es beim DAV, aber auch den jeweiligen Tourismusverbänden der Regionen. 

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